Über 2.000 Fälle bei Tönnies

Und schon wieder ist ein Schlachtbetrieb in den Schlagzeilen. Bereits Anfangs 415 positiv getestete Mitarbeiter. Schulen und Kitas dicht. Allgemeinen Lockdown soll es aber nicht in Gütersloh geben.
Edit: Inzwischen über 700 positiv getestete (19.06.20)

Jetzt sind es schon 657 Infizierte, wobei noch nicht alles Tests ausgewertet sind, und 7000 in Quarantäne.

https://m.news.de/panorama/855853552/coronavirus-ausbruch-in-toennies-fleischfabrik-rheda-wiedenbrueck-nrw-ueber-657-neue-corona-faelle-7-000-menschen-muessen-in-quarantaene/1/

Aber das ist nur die Fortsetzung des bekannten Problems.

Das ist ein übler Fehler der lokalen Behörden, dass sie dort keine ordentlichen Kontrollen gemacht haben um diese Fälle früher aufzudecken und dann auch ernsthafte Quarantäne durchzusetzen.

Diese faulen Ausreden von Laschet, dass es vor allem an Rumänen und Bulgaren liegt, die das Virus aus dem Heimaturlaub nach Deutschland gebracht haben, glaube ich ihm nicht. Da müssen auch massiv Infektionen in Deutschland passiert sein. Ob in den Unterkünften oder in der Fleischerei selber ist letztlich auch egal, solche Problemherde müssen früher aufgedeckt werden.

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auch bei uns in Österreich in den Nachrichten…

Wer hätte denn wohl die Pflicht aus dem Ausland Einreisende, die Arbeitsbedingungen und die bekannt miserablen Unterkünfte der ausländischen Arbeiter zu prüfen, wenn nicht unser Staat und in NRW Herr Laschet.
Großartig auf schnellstmögliche Lockerungen hinarbeiten, aber nicht dafür sorgen, dass die Schlachtbetriebe ausreichend kontrolliert und die Bedingungen verbessert werden.

Da hatte aber auch Herr Heil kürzlich etwas ganz anderes angekündigt.

Es hat nicht ausgereicht, dass Schlachter mal ein deutscher Fachberuf mit ordentlicher Bezahlung war, den man in einen schlecht bezahlten Beruf herabgestuft hat. Man musste diese Menschen auch noch aus dem Ausland holen, weil man so wenig verdient, unter unmenschlichen Bedingungen unterbringen und den Arbeitgebern vollkommen ausliefern. Liest sich ein Stück weit wie moderne Sklaverei.:sunglasses:

Es zeigt sich wieder, dass Covid 19 hoch ansteckend ist, wir dürfen das wohl nicht unterschätzen.
Wenn von den über 400 jeder drei weitere anstecken würde, dann wären es gleich mal 1.200

Auch wenn Laschet und ich niemals Freunde werden, hat er sich so definitiv nicht ausgedrückt, dass er es auf die Arbeiter geschoben hat. So hatte sich der Arbeitgeber ausgedrückt.

Im Artikel ist ein kurzes Video, in dem er klar Unterbringung und Arbeitsbedingungen benennt.
Wenn man den Artikel mit den Unterbringungsbedingungen liest, könnte man fast glauben es geht um Indien.:sunglasses:

Diese Arbeiter wurden bereits alle schon einmal durchgetestet und waren zu der Zeit negativ.

@Tesla3forMe es sind bereits 657 und noch nicht alle Tests ausgewertet.

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Oh, vor kurzem waren es erst um die 100, oder?
Auf die 400 habe ich mich wegen dem Thread-Titel bezogen…

Hier ein Beitrag mit Laschets O-Ton:

Die Headline bzw. der Satz „Sind ausländische Mitarbeiter für den Corona-Ausbruch beim Fleischkonzern Tönnies in Rheda-Wiedenbrück schuld?“ ist nicht von Laschet und einfach nur dumme Stimmungsmache.
Dass das Virus von infizierten ausländischen Arbeitern kommt, die es aus ihrem Land mitgebracht haben, scheint wahrscheinlich zu sein, auch wenn es nicht wirklich so sein muss.
Zumal auch neue beim ersten Mal ungetestete Arbeiter aus dem Ausland im Betrieb die Arbeit aufgenommen haben.

Dennoch hat Laschet selbst den Arbeitern damit nicht die Verantwortung zugewiesen, sondern klar den Bedingungen.
Ich selbst denke, wie viele andere auch, dass die neuen Infektionen im Fall einer Einschleppung aus dem Ausland klar die Folgen des unkontrollierten Reiseverkehrs ohne Quarantäneauflagen sind.

Von daher hat Laschet noch nicht bemerkt, dass er sich widerspricht, wenn er einerseits durch die Aussagen der Geschäftsleitung des Schlachtbetriebs davon ausgeht, dass die Infektionen von aus dem Ausland infiziert eingereisten Arbeitern verursacht wurden und andererseits behauptet, das hätte nichts mit den Lockerungen zu tun.
Denn wenn man auf Kontrolle und Quarantäne für Einreisende verzichtet, sind die Lockerungen dafür verantwortlich und nicht die Einreisenden.

In meinen Augen ist eindeutig, dass das Virus durch Reisen in unser Land kam und mit der neuen Reisefreiheit auch weiterhin zusätzlich zum Infektionsgeschehen innerhalb des Landes durch Reisen aus dem Ausland in unser Land eingeschleppt werden wird.
Da es wie zu Beginn der Pandemie keine Kontrollen der Einreisenden und keine Quarantäne gibt, werden Reisende mit Sicherheit weiterhin das Infektionsgeschehen anheizen.

Aber es scheint ja so gewünscht und einkalkuliert zu sein, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln, so lange wir genug Intensivbetten zur Verfügung haben.

Er sagt, dass Rumänen und Bulgaren eingereist sind und da das Virus herkommt. Das ist eine Theorie.

Es können aber auch auch Rumänen und Bulgaren sein, die im genauso schwer betroffenen Berlin waren. Es können auch deutsche Mitarbeiter sein, die z.B. in Duisburg oder Düsseldorf waren, das noch viel stärkeres Infektionsgeschehen hat. Oder viele weitere Kombinationen.

Wenn das gesamte Konzept in der Fleischfabrik erlaubt, dass schon wenige infizierte Mitarbeiter für einen derartigen Ausbruch sorgen können, dann ist das Konzept nicht gut.

Vergessen werden sicher auch die Arbeitsbedingungen, die womöglich die Ansteckung fördern. ich meine kühle Räume, hohe Luftfeuchtigkeit, schwere Arbeit mit oftmals notwendigen nahen Kontakten der Arbeiter.
Es ist nicht unbedingt die Herkunft schuld, denn wären es deutsche Arbeiter, die im Urlaube waren, wären die Probleme womöglich auch da.
Die Unterkünfte müssen auch nicht das Problem sein. Es haben ja nicht hunderte in einer Wohnung gewohnt…
Vermutlich müssten die gesamten Bedingungen der Arbeit in den Fabriken auf den Hygiene-Prüfstand!

@TommyP Nein. Die werden nicht vergessen. Die wurden in mehreren Artikeln von Laschet und Tönnies angesprochen. Es war auch im TV schon Thema, in wieweit die Arbeitsbedingungen für eine schnelle Ausbreitung sorgen.

Im Prinzip muss nur ein Mensch infiziert sein und kann das Virus an alle anderen weitergegeben haben.
Wo der eine Mensch sich angesteckt hat, kann man sicher so einfach nicht sagen. Dazu müsste man die Viren der Infizierten genetisch untersuchen. Dann kann man das.
Es gibt auch in Deutschland genug Möglichkeiten sich anzustecken.
Man hat zudem schon längst festgestellt, dass über manche Menschen und manche Ereignisse die Infektion besser verbreitet werden kann.

Jetzt sind es jedenfalls schon 730 Infizierte Arbeiter.

Vielleicht die Zeit für eine erneute Überprüfung der anderen Schlachthöfe.

Was ich meinte, ist dass in der aktuellen Berichtersstattung die Werksverträge und Unterbringungen herangezogen werden. Gern mit der Bezeichnung moderne Sklaven…
Löhne zwischen 10,- und 15,- werden genannt. Jede Wette, dass das nicht die Ursache ist. Und dass sich ausländischen Arbeiter nicht als Sklaven fühlen dürften.
Vielmehr wurden die hygienischen Verhältnisse nicht ausreichend beachtet. Da reichen dann wenige Infizierte und von Tag zu Tag werden es expotentiell mehr. Und das wäre bei eigenen festangestellten Mitarbeitern nicht anders. Die werden mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenso aus den Ursprungsländern kommen. Die Vertragsgestaltung ist ein falsches Argument, m.M.n.

Gerade bei uns in den Nachrichten…
Über 700 bestätigte Fälle, etwa 7.000 in Quarantäne…

Wie bereits geschrieben, denke ich, dass du irrst.
Da wirklich alles auf dem Prüfstand ist.
Neben den Massenunterkünften mit bis zu 9 Personen in einem Zimmer, was schon alleine ein weltweit bekanntes Superspreaderevent ist, mit den in einem vor geposteten Artikel beschriebenen frapanten Mängeln,

Dabei wurden dem Bericht zufolge fast 1900 mittlere und gravierende Beanstandungen festgestellt – zum Beispiel fehlende einfache Hygienemaßnahmen in Kombination mit Überbelegungen, Schimmelpilzbefall, Einsturzgefahr, undichte Dächer, katastrophale Sanitäreinrichtungen, Rattenbefall und Brandschutzmängel.

geht es ausdrücklich um eine erneute Überprüfung der speziellen Arbeitsbedingungen auf einem Schlachthof. Denn neben den kühlen Arbeitstemperaturen, die das Virus liebt, könnten noch andere Dinge wie Schreien zur Kommunikation aufgrund der Lautstärke eine große Rolle spielen.
Die Arbeitsplätze sollen schon vorher mit einem größeren Abstand zueinander aufgebaut worden sein. Die Situation in der Kantine ist auch noch ein Thema.

Die 10-15 Euro hören sich auch gleich anders an, wenn man sich die Bedingungen ansieht:

Die aus Osteuropa stammenden Schlachthofarbeiter sind in Deutschland meist per Werkvertrag beschäftigt, also formal selbstständig. Damit haben sie keine Rechte eines normalen Arbeitnehmers, aber dummerweise auch nicht die Freiheiten eines Selbstständigen.
Für die Schlachthöfe ist das eine prima Win-Situation, für die Beschäftigten bedeutet es das Gegenteil. In den Knebelverträgen ist meist auch die Unterkunft festgelegt – Massenbehausungen, für deren oft überhöhte Kosten die Arbeiter aufkommen müssen.
https://taz.de/Arbeitsbedingungen-in-Schlachthoefen/!5681594/

Wie mit diesen Menschen umgegangen wird, ist eigentlich schon länger und insbesondere aus der Baubranche bekannt.
Wenig für Fachkräfte zahlen, hart arbeiten lassen und dann noch für unzumutbare Behausungen viel Kohle vom Verdienst abziehen, ist ein Konzept, dass schon seit Jahrzehnten in der Kritik steht und durch unsere Gesetze ermöglicht wird.
Und Schlachter sind Facharbeiter, die einmal ganz gut verdient haben (hatte mich vor Jahren mal mit dem Thema beschäftigt), bis man den Beruf auf diese Art kaputt gemacht hat.

Vielleicht sollte man aber auch überprüfen, wie‘s mit dem Fleischkonsum und den von den Konsumenten erwarteten Fleischpreisen ausschaut. Diese Corona-Fälle bei der Schlachtindustrie - schon das Wort lässt einen schaudern - zerrt jetzt einfach die widerwärtigen Arbeits- und Hygienebedingungen in den Fokus. Grauslig und verachtend, was hier im Zeichen von Billigstfleisch geschieht: die gleiche Verachtung gegenüber Mensch und Tier. Die lachenden Kühe und Schwein auf dem Dach wirken auf mich ebenfalls verhöhnend - fehlt nur noch der Spruch „Schlachten macht frei“.

Ich hoffe, dass bei dieser Gelegenheit wenigstens ein Umdenken bei Arbeitgeber und Konsument einsetzt.

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Die Arbeits- und Lebensbedingungen sind schlecht, wie sicher auch diese Werksverträge. Inwiefern das nicht als Scheinselbständigkeit aufgedeckt werden kann ist mir unklar.
Dennoch bin ich weiterhin der Meinung, dass die eigentliche Ursache in den vernachlässigten hygienischen Bedingungen liegt. Und wenn das den Ämtern egal oder unbekannt ist, dann sieht man, wo die eigentlichen Probleme sind. Denn mit eigenem Personal bleiben die hygienischen Missstände die gleichen. Genau das ist meine Meinung. Würde mich schon sehr wundern, wenn da die Betreiber der Höfe nicht nur höhere Ausgaben für die Löhne zahlen, sondern automatisch die hygienischen Bedingungen verbessern.

@douglasflyer Du hast vollkommen recht. Leider tut unsere Regierung seit Jahren alles, die von der EU festgelegten Verbesserung in der Tierhaltung nicht umzusetzen und hatte deshalb schon etliche Male Ärger.

Es ist schon absurd, dass ausgerechnet der Handel vor der Politik ein Tiersiegel eingeführt hat. Auch wenn das meiste angebotene Fleisch aus Massentierhaltung der niedrigsten Haltungsstufe ist.

Allerdings muss man bei billig schon sagen, dass wie alles auch die Preise für Fleisch vor Euroumstellung wesentlich niedriger lagen. Kann mich jedenfalls gut daran erinnern, dass ein Discounter im Jahr der Euroumstellung das Kilo gemischtes Hack für 2,99 € angeboten hatte.
Das Kilo Suppenfleisch Haltungsstufe 1 vom Discounter für derzeit umgerechnet fast 16 DM ist schon ein Preis, der zu DM-Zeiten für Fleisch aus Massentierhaltung unvorstellbar war. Denke, dass der Handel heute mehr Profit mit dem Fleisch macht und das er generell die Preise bestimmt.

Glaube nicht, dass Menschen mit niedrigem Einkommen in der gleichen Zeit so viel mehr Lohn erhalten haben, dass sie das doppelte für die Ernährung über haben. (Von Ausnahmen mal abgesehen. Denn es gab mal ostdeutsche Friseure, die 3,33€/h verdient haben.)
Zudem gibt der Deutsche generell weniger fürs Essen aus, als z.B. die Franzosen.

Wenn wir das, was wir essen, selbst schlachten müssten, dann würden sich sicher viele Menschen vegetarisch ernähren. Wäre mir nicht möglich ein Säugetier zu töten.:sunglasses:

Ich selbst esse daher selten Fleisch.
Es ist generell ein moralischer Zwiespalt Tiere und insbesondere Kühe zu lieben und Fleisch zu essen.
Die nachfolgende Seite habe ich geöffnet, seit ich zu amerikanischen Schlachthöfen recherchiert hatte. Das ist ein Teil der traurigen Wahrheit, den ich nicht einmal ansehen kann.

Ich rate Allen ab, den Link zu klicken.
Dennoch ist das nicht notwendiger Weise so. Ich kenne hier in der Umgebung z.B. einen tierfreundlichen Hof, wo die Tiere dennoch geschlachtet werden. Das ist der einzige Zweck, außer bei den Zuchttieren. Aber das geht per Schießen. Wie auf der Jagd. Stressfrei. Sie stehen auf der Wiese, es knallt und eines fällt um. Es ist Dammwild und spezielle Schweine. Hybriden aus Wildschwein und Sattelschwein. Sie leben nur draußen. Das Fleisch kostet mehr, aber es lohnt sich.

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