Sterblichkeit auf Basis von Antikörperstudien

Spanien ist mit 90.000 getesteten Personen die größte Antikörperstudie bis jetzt, oder?
https://orf.at/stories/3165608/

Damit kommt man bei 2,3 Millionen Infizierten und 27.000 Toten auf 1,17% Sterblichkeit. Einige Tote kommen im zeitlichen Verlauf noch zusätzlich. Dazu ggf. noch 25%Tote, die sich durch Übersterblichkeit ergeben, die höher ist als die Coronatoten.

Damit liegt man eher in der Größenordnung 1% bis 1,5%, etwas höher als z.B. von Drosten erwartet.

Danke für die beiden Links, sehr interessant!

Bei der Berechnung der Infektionssterblichkeit, wäre es interessant, wenn man diese nach Alterskohorten aufgliedern könnte. Mal beobachten, ob da aus den spanischen Daten noch entsprechende Auswertungen kommen.

Ein weiterer interessanter Punkt wäre, die Sterblichkeit mit der regional recht unterschiedlichen Auslastung des Gesundheitssystems zu korrelieren.

Ich würde den Satz eher so formulieren:

Damit liegt Spanien eher in der Größenordnung 1% bis 1,5%, etwas höher als z.B. von Drosten in der Normalbevölkerung erwartet.

In einem NDR-Podcast erwähnte Drosten mal, dass man bei der Betrachtung der IFR die Ausbrüche in Altenheimen oder ähnlichen Sondersituationen separat von der übrigen Bevölkerung betrachten solle. Weiss leider nicht mehr, in welchem Podcast ich das gehört habe. Normalbevölkerung war nicht das Wort, welches Drosten in dem Zusammenhang benutzt hat, deshalb finde ich die Stelle leider gerade nicht.

Hier der Link zum Transscript aller Folgen, wenn nochmal jemand suchen will: https://www.ndr.de/nachrichten/info/coronaskript174.pdf

Zum Thread-Thema, Sterblichkeit auf Basis von Antikörperstudien hat Drosten am 5. 5., als es um die Gangelt-Studie ging, ein paar Punkte erwähnt:

Aber wie gesagt, ich beziehe mich bei meinen eigenen Rechnungen nicht auf die Gangelt-Studie, sondern auf die Annahme, die auch viele Modellierungsstudien bestimmt haben, dass die Infektionssterblichkeit dieser Krankheit zwischen 0,4 und 0,9 Prozent liegt. Ich hatte auch schon mal gesagt zwischen 0,3 und 0,7. So was korrigiert sich eher in letzter Zeit ein bisschen nach oben als nach unten. Aber in diesem Bereich wird man liegen.

Dann spricht er über die IFR, die er aus den Gangeltdaten überschlagen hat

Insgesamt komme ich für mich selbst nicht bei einer Infektionssterblichkeit von 0,36 Prozent raus, sondern von 0,45 Prozent, also etwas höher.

Dann sagt er etwas zur Hochrechnung von Zahlen, wenn man IFR-Daten mit Meldetaten verwurstet:

Also wenn ich diese von mir auf einem Blatt Papier aus- gerechnete Infektionssterblichkeit nähme und die mit RKI-Meldezahlen multiplizieren würde, dann käme ich auf 1,4 Millionen und nicht auf 1,8 Millionen insgesamt Infizierte. Aber das sind total hölzerne, grobe Rechnungen, egal ob mit oder ohne Korrekturfaktoren drin. Ich bin mir nicht sicher, ob man das einfach so machen darf, das alles so direkt umzurechnen auf landesweite Meldezahlen. Ich glaube, da sind schon noch Effekte dabei, die man in solchen Überschlagsrechnungen jetzt nicht in Betracht zieht.

Wer den gesamten Zusammenhang nachlesen will, die Zitate habe ich aus Seite 2 des Transkript von Folge 38 des Coronavirus Updates.

Gruß Mathie

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Da dürfte aber auch mit reinspielen, dass das Gesundheitssystem stellenweise überlastet war.

Die Überlastung der Krankenhäuser scheint keine große Rolle gespielt zu haben:
Im stärker betroffenen Madrid (11,3% haben Antikörper) ist die Sterblichkeit genauso bei 1,16% wie im Landesschnitt mit 5% Sterblichkeit
8779 Tote / (6,661,949 Einwohner * 11,3%) = 1.16%
27321 Tote / (46.94M Einwohner*5%) = 1.16%

Artikel in El Pais
Studie auf Spanisch

Es kann natürlich sein, dass überproportional viele junge Menschen in der Großstadt Madrid leben und das die höhere Sterblichkeit durch Krankenhausüberlastung ausgeglichen hat. Oder, dass die Krankenhäuser in einer Großstadt so viel besser sind als in der Provinz, dass sie selbst bei Überlastung noch genausogut sind wie ein Provinzkrankenhaus. Oder es gab auch viele Überlastungen außerhalb von Madrid.

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Aus Frankreich gibt es auch eine Antikörperstudie (edit: leider nur ein Rechenmodell, keine Antikörperstudie)

Damit komme ich auf eine direkte Sterblichkeit von:
27074 Tote/(4.4%*66.99M Einwohner) = 0.92%

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Danke! Habe mal die Originalstude gesucht, hier das Abstract:

France has been heavily affected by the SARS-CoV-2 epidemic and went into lockdown on the 17 March 2020. Using models applied to hospital and death data, we estimate the impact of the lockdown and current population immunity. We find 3.6% of infected individuals are hospitalized and 0.7% die, ranging from 0.001% in those <20 years of age (ya) to 10.1% in those >80ya. Across all ages, men are more likely to be hospitalized, enter intensive care, and die than women. The lockdown reduced the reproductive number from 2.90 to 0.67 (77% reduction). By 11 May 2020, when interventions are scheduled to be eased, we project 2.8 million (range: 1.8–4.7) people, or 4.4% (range: 2.8–7.2) of the population, will have been infected. Population immunity appears insufficient to avoid a second wave if all control measures are released at the end of the lockdown.

Da in Science erschienen bestimmt eine sehr gut gemachte Studie!

https://science.sciencemag.org/content/early/2020/05/12/science.abc3517.full

Ich finde es spannend, dass man mal Sterblichkeitkeitszahlen für die verschiedenen Alterklassen ermittelt hat:

image

Gruß Mathie

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Ich hab versucht mal nachzuvollziehen, wie die auf 0.7% gekommen sind. Ist jetzt erstmal kein gigantischer Unterschied zu meinen 0.9%, aber mehr als Rundungsungenauigkeit.

Die Erklärung sind in der Tat die Altenheime:

While we focus on deaths occurring in hospitals, there are also non-hospitalized COVID-19 deaths, including >9000 in retirement homes in France (15). We explicitly removed retirement home population from our analyses as transmission dynamics may be different in these closed populations. This means our estimates of immunity in the general population are unaffected by deaths in retirement homes, however, in the event of large numbers of non-hospitalized deaths in the wider community, we would underestimate the proportion of the population infected. Analyses of excess death will be important to explore these issues.

Die französiche Studie ist wohl leider doch keine Antikörperstudie sondern eher ein rechnerisches Modell. Da hab ich wohl etwas falsch verstanden.

In Deutschland auch mal zwei Antikörperstudien, beide allerdings nicht repräsentativ:

Auf Basis von Blutspenden deutschlandweit:
1,3% aller Personen mit Antikörpern
https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Projekte_RKI/SeBluCo_Zwischenbericht.html

Damit kommt man in Deutschland auf ca. 1,08 Millionen Infizierte. Ergibt eine Infektionssterblichkeit von ca. 0,84%

Schüler und Lehrer in Sachsen

0,59% aller Schüler und Lehrer mit Antikörper
Wenn man das auf die Gesamtbevölkerung in Sachsen umrechnen würde, kommt man auf ca. 23.930 Infizierte. Ergibt mit 225 Todesfälle eine Infektionssterblichkeit von ca. 0,94%

Das zweite Ergebnis natürlich noch weniger repräsentativ als das erste, da junge Menschen massiv überrepräsentiert sind.

Wird Zeit, dass es auch in Deutschland gute, repräsentative Antikörperstudien mit veröffentlichten Ergebnissen gibt.

Danke für den Link zur Studie des RKI bei den Blutspendern!

Wäre sicherlich interessant, solche Zahlen zu haben, allerdings frage ich mich, wie Granulat man diese machen müsste, um aussagekräftige Daten zu erhalten.

Wir sind weit von einer gleichmäßigen Verteilung des Infektionsgeschehens in Deutschland entfernt, selbst auf Bundeslandsebene gibt es erhebliche Unterschiede auf Kreisebene, hier mal ein Bild von NRW aus dem RKI-Dashboard

https://experience.arcgis.com/experience/478220a4c454480e823b17327b2bf1d4

Ich weiss nicht, ob der Aufwand für so eine Studie auf Landkreisebene für ganz Deutschland möglichst regelmäßig wiederholt wird, nicht zu aufwändig wäre und die Ressourcen nicht anderweitig besser genutzt werden könnten. Spannend fände ich die Daten aber allemal!

Aber auch die Studie vom RKI mit Blutspendern liefert doch ganz interessante Daten, auch wen Blutspender sicherlich keinen repräsentativen Bevölkerungsquerschnitt darstellen, kann man, wenn die gleiche Gruppe regelmäßig wieder getestet wird, doch zumindest Entwicklungen recht gut erkennen.

Gruß Mathie