So ist die Lage auf Deutschlands Intensivstationen

Da die Lage jetzt wieder ernster geworden ist, sollte man vielleicht auch die Intensivstationen in Deutschland im Auge haben.
Es irritiert mich schon etwas, dass das DIVI gestern über lediglich knapp 540 freie EMCO berichtet hat, die heute bereits weiter abgenommen haben. :mask:

Daher ein Link zur Lage der Belegung:

Bei den ECMO ist noch genug Buffer: 524 von 754 sind noch frei.

Bei den normalen Intensivbetten sieht man aber, dass es mehr wird als in der ersten Welle:

https://www.intensivregister.de/#/reporting

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Bei Kritik an anderen Ländern muss man klar erkennen, dass es bei uns derzeit nicht wirklich anders zu laufen scheint und trotz teilweise bereits vollen Kliniken bislang in D wohl keine Anweisung für Notbetrieb erlassen wurde, wie das im Frühjahr der Fall war.

Heute werden für gestern gemeldet:
In intensivmedizinischer Behandlung 3.005
davon invasiv beatmet 1.688
Neuaufnahmen auf ITS seit Vortag 404
Noch 500 freie EMCO

Positiv ist, dass schon vier Tage in Folge das Wachstum der Belegung gegenüber der Vorwoche gesunken ist. Letzten Montag noch um 180, diesen Montag um 100 gewachsen.

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Aber schon steigen die Zahlen wieder etwas an.
Ganz abgesehen davon, dass gestern 261 Menschen gestorben sind.
Gestern waren noch 492 EMCO frei.
In intensivmedizinischer Behandlung 3.127
davon invasiv beatmet 1.787
Neuaufnahmen auf ITS seit Vortag 442

Etwas Wunschdenken, aber folgendes halte ich für durchaus möglich:

Die DIVI-Zahlen haben aber eine viel kürzere Meldekette als die Auswertung der Testergebnisse der Gesundheitsämter, die mehrfach sammeln und weitergeben, bis es schließlich beim RKI landet und veröffentlicht wird.
Ich könnte mir auch vorstellen, dass PCR-Tests bei Aufnahme auf Intensivbetten mit einer deutlich höheren Prio bearbeitet werden, als normale PCR-Tests im Rahmen von Kontaktverfolgung oder wenn es über die Hausärzte geht, die die Proben oft nur einmal am Tag ans Labor schicken. Auf den Intensivbetten ist es ja wirklich extrem wichtig zu wissen, wer COVID-19 infiziert ist und wer nicht.

Dadurch sind die DIVI-Neuaufnahmen der frühere Indikator als die offiziell gemeldeten Neuinfektionen, auch wenn man das gar nicht in der Reihenfolge erwarten würde.

Seit über 2 Tagen sinken die Neuaufnahmen auf den Intensivstationen im Wochenvergleich bereits. Gesamtbelegung steigt noch an, dürfte dann aber auch am Wochenende das Maximum erreichen.

Wenn die Neuinfektionen jetzt auch sinken, dann wäre das ein weiteres Indiz für diese Annahme und wir hätten das Maximum der zweiten Welle bereits überschritten und der Lockdown reicht aus.

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Beitrag vom 12.11. versehentlich gelöscht.

Heute 13.11. für gestern gemeldet:
in intensivmedizinischer Behandlung 3.299 +113
davon invasiv beatmet 1.859 (56%) +46
Neuaufnahmen auf ITS seit Vortag 802
Freie EMCO 495
davon verstorben 5.654, letzte Meldung 5.569=+85

Stationär Normalstation 7.444, wie ich das sehe
Am 12.11. Verstorbene 218 Menschen insgesamt.

14.11.
in intensivmedizinischer Behandlung 3.325 +26
davon invasiv beatmet 1.876 (56%) +17
Neuaufnahmen auf ITS seit Vortag 278
davon verstorben 5.694 (22%) +40

Stationär Normalstation 7.492 wie ich das sehe
Am 13.11. Verstorben 178 Menschen
Insgesamt verstorben 12.378

Am Tag des Lockdownbeginns, dem 2.11., sah es so aus:
in intensivmedizinischer Behandlung 2.243
davon invasiv beatmet 1.167 (52%) 81
Neuaufnahmen auf ITS seit Vortag 455
in intensivmedizinischer Behandlung verstorben 4.813
mit abgeschlossener Behandlung 21.324
freie Lowcarebetten 1.982
freie Highcarebetten 5.911
freie EMCO 557

Nach der heutigen 21.11. Meldung sieht es so aus:
in intensivmedizinischer Behandlung 3.630
davon invasiv beatmet 2.098 (57%) -5
Neuaufnahmen auf ITS seit Vortag 200
in intensivmedizinischer Behandlung verstorben 6.302 (+1.489)
mit abgeschlossener Behandlung 28.271 (+6.947)
freie Lowcarebetten 1.528
freie Highcarebetten 4.688
freie EMCO 457

Für heute gemeldet
Aktuell in intensivmedizinischer Behandlung 4.179
davon invasiv beatmet 2.513 (60%)
Neuaufnahmen auf ITS seit Vortag 526

Heute auf Intensiv gemeldet

Aktuell in intensivmedizinischer Behandlung 4.491 +59
davon invasiv beatmet 2.542 (57%)+ 2
Neuaufnahmen auf ITS seit Vortag 611
Gesamt mit abgeschlossener Behandlung 38.098 +552
davon verstorben 9.157 (24%)

Habe jetzt eine Exceltabelle erstellt, weil ich es einfach genauer wissen wollte.
In Deutschland sind heute nach den Angaben der DIVI (zum Zeitpunkt der Aufnahme der Daten) deutschlandweit gesehen insgesamt 22% der „belegten“ Intensivbetten mit Covid-Patienten belegt. Das sind 4.483 Intensivbetten.
78% oder 15.883 Intensivbetten sind anderweitig belegt.
Zur Verfügung stehen noch 3.976 Intensivbetten.

Die Belegung mit Covid-Patienten ist in jedem Bundesland völlig unterschiedlich. In Berlin sind 35% der belegten Intensivbetten mit Covid-Patienten belegt, in Sachsen knapp 37%, in Schleswig-Holstein nur 4,3%.
In Bayern, ca. 13,1 Millionen Einwohner, das durchgehend strenge Maßnahmen hatte, sind 25,2% der 2.909 belegten Intensivbetten bzw. 733 Intensivbetten mit Covid-Patienten belegt.
In NRW, ca. 17,9 Millionen Einwohner, sind 20,7% der belegten 4.950 Intensivbetten bzw. 1.023 Intensivbetten mit Covid-Patienten belegt.

Schon vor einigen Tagen hatte mich die Meldung vom RKI verwirrt. Habe den Beitrag dann geändert, da ich dachte, dass ich mich vertan hätte.
Heute am 14.12. meldet das RKI 188 Todesfälle. Zudem meldet es die Neuzugänge und Gesamtzahlen, sowie Entlassungen aus intensivmedizinischer Behandlung. Aber das DIVI meldet heute 195 Todesfälle für gestern.


Offensichtlich sind auch das Daten, die irgendwann eingehen und irgendwann gemeldet werden. Trotzdem passt da irgendwie was nicht.

Gestern eine neue Auswertung anhand der Angaben auf der Karte bei DIVI gemacht.
Nur so interessehalber.
Es wurden insgesamt 531 Intensivbetten weniger aufgelistet. Und nirgendwo ist der aufgeführte verfügbare Bestand exakt gleich zu den angegebenen Intensivbetten am 12.12.20.
Die sonstigen Änderungen zum 12.12.20.
Es waren 1.774 Intensivbetten weniger mit Patienten mit allgemeinen Behandlungen belegt und 1.065 mehr Intensivbetten mit Covid-Patientenen.
178 Intensivbetten mehr als am 12.12.20 waren damit noch frei.
Durch die geringere Belegung mit anderen Intensivpatienten und die Zunahme der Covid-Patienten waren gestern ca. 28,2% der belegten Intensivbetten mit Covid-Patienten belegt.
Auf Basis der Zahlen vom 12.12.20 wären es ca. 25,9%, um die Zunahme zum Zeitpunkt X prozentual zu erfassen. Dann wären allerdings entsprechend weniger Intensivbetten frei.
Daher hat man etliche verschiebbare Operationen wohl verschoben.
Durch die Umverteilung hatten wir gestern in D bei 5.548 mit Covid-Patienten belegten Intensivbetten noch 4.154 freie Intensivbetten verfügbar.
Diese Zahlen stimmen jedoch nicht exakt mit der gestrigen Meldung des DIVI überein, sondern scheinen einen Zwischenstand der Meldungen zwischen 26. und 27.12. abzubilden.

Nach heutiger DIVI-Meldung:
Aktuell in intensivmedizinischer Behandlung 5.597 +35
davon invasiv beatmet 3.017 (54%) +57

Nachdem ich nun die Anstalt gesehen habe, ist mir noch etwas eingefallen.

In einem internen Schreiben an die Länder, das dem ARD-Politikmagazin Kontraste exklusiv vorliegt, stellt BMG- Staatsekretär Thomas Steffen erhebliche Abweichungen fest. Es fehlten 7305 Intensivbetten, „die auf Grund der ausgezahlten Förderbeträge rein rechnerisch aber vorhanden sein müssten“, schreibt Staatssekretär Steffen.

Gesundheitsminister Jens Spahn forderte von den Krankenhäusern gleich zu Beginn der Pandemie, die Intensivkapazitäten auszuweiten. Dafür versprach er 50.000 Euro Förderung pro Bett. Krankenhäuser müssen an das sogenannte „DIVI-Intensivregister“ tagesaktuell melden, wie viele freie und belegte Intensivbetten sie haben: Aktuell stehen dort rund 32.500 Intensivbetten. Aufgrund der ausgezahlten Steuermillionen müssten es allerdings über 39.700 Betten sein - also rund 7300 Betten mehr.
https://www.tagesschau.de/investigativ/kontraste/corona-intensivbetten-101.html

Das war im Sommer. Die vom DIVI gemeldeten freien und belegten Intensivbetten betrugen nach den Einträgen auf der DIVI-Karte pro Bundesland am 12.12.20 insgesamt nur 24.342 Betten und am 27.12.20 waren es nochmal 531 Betten weniger, nämlich 23.811 Intensivbetten.
Ist das nicht seltsam?

Auch interessant:

Erstaunlicherweise fanden wir mit 46.919 eine viel höhere Zahl von stationären Patienten, die mit der Verdachtsdiagnose einer COVID-Erkrankung, allerdings ohne Nachweis der Infektion im Labor, behandelt wurden (U07.2). Der zeitliche Verlauf der nachgewiesenen und der COVID-Verdachtsfälle ist in Abb. 2 dargestellt.

Interessant ist, dass die U07.2 Fälle eine Sterblichkeit von 6,6% aufweisen, 15,7% wurden auf der Intensivstation behandelt und 5,7% wurden maschinell beatmet (Tab. 2). Ganz offensichtlich handelte es sich bei diesen Patienten um eine andere Population als bei den nachgewiesenen COVID-Fällen.

Um diese Beobachtung einordnen zu können, analysierten wir aus den Jahren 2019 und 2020 alle Fälle, bei denen eine schwere infektiöse Atemwegserkrankung (SARI) vorlag (Abb. 3).

Überraschenderweise war die SARI-Fallzahl im ersten Halbjahr 2019 mit 221.841 Fällen höher als 2020 mit insgesamt 187.174 Fällen, obwohl darin auch die COVID bedingten SARI-Fälle mit eingeschlossen wurden. Die nicht mit COVID in Verbindung stehenden SARI-Fälle summieren sich auf 166.214; SARI U07.1 auf 11.132; SARI U07.2 auf 11.206. Es ist auffällig, dass bei mehr als 35.000 Patienten ein COVID-Verdacht (U07.2) kodiert wurde, ohne dass ein SARI vorlag.

Der wöchentliche Verlauf der verschiedenen SARI-Kategorien ist in der Abb. 4 gezeigt.

Die Beobachtung, dass ca. dreimal mehr Fälle mit COVID-Verdacht als mit einer nachgewiesenen Infektion kodiert waren, ist absolut erstaunlich. Allerdings findet sich ein vergleichbares Verhältnis in den InEk Daten von Ende Mai für ganz Deutschland, wo neben den 34.916 U07.1 Fällen 111.769 U07.2 Fälle kodiert sind.

Natürlich könnte man annehmen, dass hierfür gerade am Anfang der Pandemie mangelnde Testkapazitäten verantwortlich waren, was aber nicht zum später auftretenden zeitlichen Verlauf der Verdachtsfälle passt (Abb. 2). Die wahrscheinlichste Erklärung ist unseres Erachtens nach, dass in Anbetracht der medialen Präsenz des Themas und der damit einhergehenden Aufmerksamkeit Fälle mit passender Symptomatik selbst dann als COVID-Verdacht behandelt wurden, wenn die PCR negativ blieb.
https://www.initiative-qualitaetsmedizin.de/effekte-der-sars-cov-2-pandemie-auf-die-stationaere-versorgung-im-ersten-halbjahr-2020

Ganz offensichtlich wurden die Intensivbetten zwar stark aufgestockt und den Kliniken zeitweise mehr Geld gezahlt als es Betten gibt (auch nicht schlecht), aber zur Verfügung stehen diese Intensivbetten nicht, sondern weniger als noch 2018. Angeblich weil es nicht genug Personal dafür gibt.

Und tatsächlich gibt es für das erste Halbjahr keine klare Übersterblichkeit.
Es ist erstaunlich, wie viele Menschen als Covid-Verdachtsfälle behandelt wurden. Dazu mussten sie wahrscheinlich teilweise auf eine Covid-Station, wo sie die besten Voraussetzungen für eine Covid-Infektion hatten, falls sie noch keine hatten.

Würde mich jedenfalls nicht wundern, wenn auch die verstorbenen Covid-19 Verdachtsfälle mit zu den Covid-19 Todesfällen gezählt wurden und dieses Procedure von den Krankenhäusern auch derzeit noch durchgeführt wird. :mask:
Denn es geht bei uns doch um ein Fallpauschalen-System, nach dem Diagnose und Therapie von Krankheiten bezahlt werden und Covid-19 gerade bevorzugt.

Davon, dass es im ersten Halbjahr keine der üblichen Influenzafälle, Pneumonien, etc. gab, also SARI, kann auch keine Rede sein, immerhin haben Todesfälle durch Atemwegserkrankungen 2018 über 70.000 Todesfälle ausgemacht. Diese Fälle gibt es mit Sicherheit auch diesen Winter. Werden die nun alle oder vermehrt als Covid-19 Verdachtsfall abgerechnet?

Man kann sich nur wundern. Insbesondere auch darüber, dass doch vor der Pandemie schon mehr Intensivbetten in Nutzung waren, als diesen Winter.
https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2020/10/PD20_N064_231.html

Und darüber, das die Diagnose bei 3/4 der im ersten Halbjahr behandelten Covid-Patienten nur ein unbestätigter Verdacht war, der sich im Todesfall mutmaßlich wie bei Todesfällen mit Influenzaverdacht in der Gesundheitsberichterstattung des Bundes als Influenza ohne serologischen Nachweis, dann als Covid-19 ohne serologischen Nachweis wiederfinden könnte.