Schweden wählt den Sonderweg

Ob das gut geht?
Schweden hat eine etwa 10 mal geringere Bevölkerungsdichte als D.

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Wissenschaftlich betrachtet, finde ich das Vorgehen der Schweden klasse, einfach damit man eine Kontrollgruppe hat.

Menschlich befürchte ich, dass die Folgen für Schweden deutlich schwerwiegender sein könnten, als das, was ich in DE oder AT erwarte.

Bin mal gespannt wenn wir in ein paar Wochen Daten vergleichen können.

Gruß Mathie

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Hoffentlich endet das nicht in einem menschlichen Drama…

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Man kann Schweden nur wünschen, dass die da auch möglichst unbeschadet rauskommen.
Tote/neue Fälle fast 11% - im Moment sogar noch minimal niedriger wie andere europäische Länder.
NL, UK, F, BEL, I zwischen 11,4% und 14,7% (Belgien!)

Liegt Schweden am Ende doch richtig?

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Denke, das Schweden, wie alle Länder mit geringer Bevölkerung auf großer Fläche, bis auf städtische Bereiche trotz zögerlicher Massnahmen besser davon kommen könnte, als dichtbesiedelte Länder.

Führe selbst eine kleine Liste der gemeldeten Fälle, in der ich die Todesfälle pro Million für manche Länder erfasse. Dann kann ich das einfach besser einschätzen. Wobei die Bevölkerungszahlen pro Land überwiegend von Wikipedia sind. Sollte aber ungefähr hinkommen.

Stand von heute 15:50, Quelle coronavirusupdate
Land Tote/ Millionen Einwohner
Südkorea 4,5/ 51,3
Österreich 50/ 8,9
Deutschland 53/ 83
Iran 61/ 82
Portugal 65/ 10,6
USA 114/ 327,15
Schweden 130/ 10,3
Schweiz 178/ 8,5
Niederlande 208/ 17,3
UK 231/ 67
Frankreich 275/ 68
Italien 373/ 61
Spanien 426/ 47
Belgien 474/ 11,5

Da man erst nach einer Seuche sagen kann, wie viele Menschenleben sie gekostet hat, sind solche Zahlen doch nur Momentaufnahmen.

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Hier hast du die Liste ständig aktuell: https://www.worldometers.info/coronavirus/#countries

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Die Realität hat den Artikel allerdings schon wieder überholt:

Dies sind die Zahlen für Schweden: Am Freitagnachmittag gibt es in dem Land mit seinen 10,2 Millionen Einwohnern 13.216 bestätigte Infektionen. Ab Anfang März war die Zahl der neuen Infektionen stetig gestiegen; der vorläufige Höhepunkt wurde dann am 8. Und 9. April mit jeweils mehr als 700 neuen Fällen erreicht. Zuletzt gab es täglich weniger als 500 bestätigte Neuinfektionen.

Nach der Osterdelle nach dem „vorläufigen Höhepunkt“ gab es die letzten beiden Tage bereits wieder je 600+ Neuinfektionen-

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Glaube ich auch. Hinzu kommt, dass die dort schon viel weiter sind mit dem kontaktlosen (bargeldlosen) Bezahlen als hierzulande.

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Es ist ja nicht so als würde Schweden das Virus einfach ignorieren. Die Schweden stellen sich die gleichen Fragen wie der Rest der Welt, und geben auch ähnliche Antworten:

https://www.zeit.de/politik/ausland/2020-04/covid-19-schweden-schule-alltag-massnahmen/komplettansicht (02.04.2020)

Für mein Empfinden sind die Unterschiede zu anderen Ländern nur graduell, und sie sind ganz konkret den hier zum Teil schon angesprochenen strukturellen Unterschieden geschuldet: Die geringe Bevölkerungsdichte, aber auch die ohnehin leicht distanzierte Mentalität der Schweden bietet schon eine gewisse Basis für die Abwehr des Virus, die andere Länder nicht haben. Eine „rheinländische Fröhlichkeit“ muss man den Schweden nicht verbieten. Die ist sowieso undenkbar. :wink:

https://www.zeit.de/politik/ausland/2020-03/coronavirus-schweden-stockholm-oeffentliches-leben/komplettansicht (24.03.2020)

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Vor dem Hintergrund dieses wenige Tage alten Artikels, der deutlich macht, dass schwedische Epidemologen und Virologen italienische Verhältnisse in Schweden befürchten, wenn keine weiteren Maßnahmen ergriffen werden, sind die deutschen Rückschlüsse zumindest verwunderlich.

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Im Vergleich zu den nordeuropäischen Nachbarländern steht Schweden mittlerweile deutlich schlechter da, auch gegenüber Österreich und auch Deutschland:

(Finland hab ich vergessen, da sieht es aber noch besser aus)

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@Hendrik Danke für die Grafik!

Bei Euromomo wird für KW14 für Schweden auch eine sehr hohe Übersterblichkeit ausgewiesen:

Aus Deutschland nehmen bei Euromomo lediglich die Bundesländer Hessen und Berlin teil, beide haben wie Österreich keine auffällige Übersterblichkeit.

Der schwedische Sonderweg scheint leider auch zu einer hohen Anzahl von Toten zu führen.

Gruß Mathie

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Österreich (8,8Mio EW)hatte Lock-down, Schweden (10,2 Mio EW) eher lock-erer Umgang
IMG_5277 (Bearbeitet).PNG

Schweden bei ähnlicher Anzahl von Fällen mehr als dreimal so viele Tote wie Österreich.

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Da ich vermute, dass Schweden ein sehr gutes Gesundheitssystem haben dürfte, könnte dies bedeuten, dass in Schweden weniger getestet wird und die Dunkelziffer hoch ist.

Für Österreich gibt es ja eine Studie, welche die Dunkelziffer auf ungefähr das Doppelte der bekannten Fälle berechnete.

Gruß Mathie

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Da bin ich bei Dir, die Dunkelziffer wird vermutlich um einiges höher sein als in Österreich.
Vielleicht weiß man erst in einem oder zwei Jahren welches Konzept in der Gesamtbetrachtung die bessere Entscheidung war. :flushed:

Solange das schwedische Gesundheitswesen gut funktioniert, haben sie vielleicht gar nicht mehr Tote als wir. Sondern sie haben ihrer Toten einfach nur früher als die Länder mit stärker abgeflachter Kurve.

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@3qv Das halte ich für unwahrscheinlich, da die Behandlungsmöglichkeiten bei Covid-19 immer besser werden und das nicht nur durch hoffentlich irgendwann kommende Medikamente und irgendwann eine Impfung, die dann sogar Infektionen verhindert.

Auch derzeit lernen Ärzte viel über den Verlauf, wann ist invasive Beatmung hilfreich, wann non-invasiv. Verstirbt ein Teil der Patienten möglicherweise gar nicht an akutem Lungenversagen (ARDS) sondern an einer Lungenembolie? Dann könnte eine Embolieprophylaxe die Zahl der Todesfälle senken.

Als Medizin-Laie halte ich es für wenig wahrscheinlich, dass es keinerlei Fortschritt bei der Behandlung von Covid-19-Patienten gibt und weiter geben wird. Deswegen würde ich erwarten, dass bei späteren Erkrankungen eine geringere Letalität zu erwarten ist.

Gruß Mathie

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Bei der schwedischen Variante wird es wohl mehr Tote geben, vermutlich am Beginn auf jeden Fall da man ja mehr Neuinfektionen in Kauf nimmt, wie man im obigen Vergleich Schweden/Österreich sieht.
Durch die Strategie Lockdown, Containment haben wir wohl anfangs einige Tote vermeiden können und Zeit gewonnen.
Bin da auch der Meinung von Mathie, durch diesen Zeitgewinn wird es hoffentlich neue Erkenntnisse und Fortschritte bei der Behandlung geben.

@Mathie
Das ist ein gutes Argument, dass wir durch die Verzögerung der Toten auf bessere Behandlungen bei den späteren Krankheitsfällen hoffen können. Wenn wir ein gutes Medikament oder einen Impfstoff haben, zieht das Argument natürlich um so mehr.
Als Gegenposition steht ein langanhaltender Lockdown, welcher uns alle persönlich und die Wirtschaft massiv einschränkt.
Es ist wirklich spannend wie der schwedische Weg nach 2 oder 3 Jahren beurteilt werden wird.

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Es gibt noch eine dritte Option, die m.E. zu wenig diskutiert wird, obwohl sie auch in Deutschland im Raum steht und z.B. von Christian Drosten und Karl Lauterbach offen angesprochen wird: Jetzt einen möglichst harten und konsequenten Lockdown durchhalten, bis wir nicht mehr um die 2000 sondern nur noch um die 200 Neuinfektionen täglich haben.

Dann umstellen von Mitigation (verlangsamte Durchseuchung, flatten the curve) auf Containment: Gezielte Einzelfallverfolgung und Isolation. Auch dabei könnte eine App wertvolle Dienste leisten, damit das Virus möglichst nicht „entwischt“ wenn Infizierte bereits infektiös, aber noch nicht erkannt sind.

Meine persönliche Einstellung zu COVID-19 hat sich in den letzten Wochen geändert von „früher oder später kriege ich es sowieso, und hoffentlich wird es dann nicht so schlimm“ zu „eigentlich möchte ich es möglichst gar nicht kriegen“. Die Unwägbarkeiten einer Infektion sind doch ziemlich groß, und eine „langsame Durchseuchung“ hat für alle Menschen und die ganze Wirtschaft extreme und lange Konsequenzen.

Der Versuch, ein Containment zu erreichen, wäre jetzt noch ein paar Wochen schmerzhaft. Danach könnte das öffentliche Leben wieder zu 90% normal weitergehen. Einschneidende Einschränkungen gäbe es nur noch für (dann sehr wenige) Betroffene und für international Reisende (die konsequent einer zweiwöchigen Quarantäne unterstellt werden müssten). Das machen wir so lange, bis wir entweder einen Impfstoff haben oder das Virus ausgestorben ist.

Angenehmer Nebeneffekt: Eine „Durchseuchung“ findet nicht statt, die meisten Deutschen würden nie an COVID-19 mit all seinen Risiken erkranken.

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