Schulbetrieb während der Kontaktsperre

Unsere Kinder bekommen aktuell zwar Aufgaben per Mail zugeschickt, die sie zu Hause bearbeiten können, es gibt aber keinen Unterricht in Form von Videokonferenzen oder Chats.

Wie machen andere Schulen das? Könnte man ggf. von gut aufgestellten Schulen lernen und daraus ein Digitalisierungskonzept für andere entwickeln? Gibt es Unternehmen, die sich darauf spezialisiert haben?

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Wir wohnen in BW und unsere Kinder sind in Klasse 5 und 7 eines staatlichen Gymnasiums. Zunächst mal eine Rückschau: es gab vor der Krise zwar eine Informatik AG und einen Computerraum aber die Schule war insgesamt noch Analog 1.0. Zum Beispiel wurde seitens der Schule weder eMail noch Whatsapp als Kommunikationsmittel verwendet - immer mit der Begründung: „wegen DSGVO nicht erlaubt!“ :zipper_mouth_face: Deshalb gab es auch keine offizielle Klassenadresslisten und die Schulleitung hatte auch keine eMail-Adressen der Eltern. Bei Schulausflügen wie z.B. Schullandheim wurde zur Information der Eltern die gute alte Telefonkette verwendet :roll_eyes:

Seit Do den 12.03.2020 wurde hektisch begonnen, die eMail-Adressen der Elternschaft zu sammeln. Die Kommunikation erfolgt seitdem per eMail über die Elternvertreter. Problem ist, dass viele Eltern keinen Zugang zu eMail haben. Über das Wochenende vor der Schulschließung wurden einige eLearnmethoden ausprobiert und es wurde viel experimentiert. Problematisch war die Netzverfügbarkeit. Es gab häufig Serverüberlastungen.

In der letzten Woche hat sich das Homeschooling eingependelt und unsere Schule befindet sich nach Tagen des Schweinsgalopps bei Digitalisierung 1.0 Großes Lob für die Lehrer! :smiley:

Die Klassenstufen 5 - 7 nutzen „Padlet“ und teilweise „Moodle“. Bei beiden Tools gibt es Speicherbeschränkungen und nicht alle Lehrer kommen mit den Tools zurecht. Für Rückantwort an die Lehrer wird aktuell daher noch eMail verwendet und allgemeine Infos werden auch noch per eMail über die Elternvertreter an die Eltern geschickt. Einige Lehrer machen mit ihren Klassen die Klassenlehrerstunde als Videokonferenz mit dem Tool „Zoom.us“.

Problematisch in der aktuellen Situation: einige Familien besitzen weder Hardware noch Zugang zum Internet. Außerdem hat die Schule Bedenken bzgl. der aktuellen Vorgehensweisen wegen DSGVO und Urheberrecht :roll_eyes:

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Eine Situationsbeschreibung, die so oder noch schlimmer für viele Schulen gelten dürfte.

Da schaffen die Schulschließungen in einer Woche, was die Politik und sonstige zuständige Stellen in Jahren nicht geschafft haben: den Sprung ins digitale Zeitalter.

Zumindest mal ein positiver Effekt der allgemein sehr negativen Situation.

Super! Wenn man will oder besser muss, geht’s doch!
Hatte gestern auch einen „virtuellen Stammtisch“ über Zoom, alle haben sich gefreut sich nach ein paar Wochen zumindest virtuell wiederzusehen.

Problematisch in der aktuellen Situation: einige Familien besitzen weder Hardware noch Zugang zum Internet.

Erstaunlich, heutzutage ist doch die Telefonie gänzlich auf VoIP umgestellt, somit sollte doch jeder auch Internet haben?!

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Der Anteil der „Nicht-Deutsch“-sprechenden Eltern ist bei uns sehr hoch. Der Homeoffice-Anteil beträgt bei dieser Gruppe 0%. Da spielte bisher der Internetanschluss keine Rolle bzw. es war wichtiger, dass die Lebensmittel Halal sind…

Klingt komisch, ist aber so.
Hat bei mir auch eine Weile gedauert, die Lebenswirklichkeit außerhalb meiner Blase zu verstehen und zu akzeptieren. Es begann bei mir mit dem Kindergartenbesuch meiner Kids.

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Interessante Diskussion hier. Will mal meinen Beitrag dazu leisten und kurz unsere Situation schildern und meinen persönlichen Eindruck aus bisher knapp zwei Wochen „Homeschooling“.
Ausgangssituation: haben zwei Kinder, 8 und 10 Jahre alt. Die 8-jährige geht auf die örtliche Grundschule in die 3. Klasse. Die 10-jährige besucht die 5.Klasse eines staatlichen Gymnasiums.
Unsere Grundschule ist bayern- und deutschlandweit eine der wenigen Referenzschulen bzgl. dem Umgang mit digitalen Medien. Von daher traf uns die Umstellung hierdurch nicht ganz so dramatisch. Die Kinder lernten hier bereits in der 2. Klasse den Umgang mit dem PC. Haben hierzu bereits frühzeitig einen eigenen digitalen Zugang zur Schule bekommen, in dem Lehrer Arbeitsblätter, Learning-Apps etc. zur Verfügung stellen. Also alles somit kein Problem und die nächsten Wochen lassen sich dank engagierter Lehrer auch sinnvoll überbrücken.
Die 10-jährige nutzt im wesentlichen die Schul-Cloud (www.schul-cloud.org). Dieses Projekt wird getrieben vom Hasso-Plattner-Institut in Potsdam. Für alle Nicht-IT-ler: HAsso Plattner ist einer der Gründer von SAP neben z.B. Dietmar Hopp. Über die Schul-Cloud bekommen die Schüler in ihrem eigenen Zugang verschiedene Kurse von ihren Lehrern zugeteilt und darüber dann entsprechende Aufgaben, die dann die Schüler mittels Dateiupload zu einem vom Lehrer festgelegten Zeitpunkt abzugeben haben. Danach erfolg die Beurteilung (Feedback) vom Lehrer. Insgesamt ein aus meiner Sicht sehr guter Weg Richtung digitaler Schule. Ein Unterricht über irgendein Konferenztool findet aber derzeit noch nicht statt.
Natürlich kann der digitale Unterricht nicht den tatsächlichen Unterricht 1:1 ersetzen aber zumindest eine sehr gute Ergänzung für die Schüler. Ich wäre früher froh gewesen, manche Dinge nicht nur aus einem Buch lernen zu müssen sondern mir dazu ein passendes Video ansehen zu können oder gewisse Themen „spielerisch“ lernen zu können.
In Summe kommen wir also sehr gut damit bisher zurecht. Man bekommt aber mehr und mehr mit, dass häufig das Problem eher die Eltern sind, die zuhause einfach den Kinder nicht entsprechend behilflich sein können. Sei es durch mangelnde Ausstattung oder eben halt auch einfach fehlender Kenntnisse und Zeit.

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@jue.mue :wave: Willkommen im Forum und danke für den ausführlichen Beitrag.

Zum Thema „gar nicht so einfach mit der digitalen Bildung“ werfe ich hier mal noch einen Twitter-Thread rein, den die liebe Karoline Döhring gerade gepostet hat:

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Habe den von Dir genannten Thread gelesen und ja, den dort genannten Punkten stimme ich bei vielen unumwunden zu. Aber heißt die Kategorie hier „Chancen & Ideen“? Ich sehe das echt in vielen Bereichen auch als Chance und da gehört die digitale Bildung absolut dazu. Ich will ein konkretes Beispiel dafür nennen:
Am Anfang der ersten „Homeschooling“-Woche litt die Schul-Cloud vom HPI (Hasso-Plattner-Institut) massiv an Performanceproblemen sodass am Vormittag ein sinnvolles Arbeiten nicht möglich war. Erfahrene SAP-Anwender wissen sicherlich was ich meine! :wink:
Aber was ist innerhalb von zwei Tagen geschehen? Die Serverkapazitäten waren vergleichsweise schnell aufgerüstet und seit dem gibt es nahezu keine Probleme mit der Performance mehr. Wäre das System auch ohne die Schulschließungen auf diesen Stand gebracht worden? Vermutlich eher nicht…
Anderes Beispiel: wie viele Unternehmen haben sich lange „mit Händen und Füßen“ gegen die Option Homeoffice für ihre Mitarbeiter gewehrt? Auf einmal sind dieselben Unternehmen wiederum froh, dass Ihre Mitarbeiter im Homeoffice arbeiten können.
Wie gesagt, mir ist das schon klar, dass es noch ein langer und weiter Weg ist und es ein einheitliches, schlüssiges Konzept zur digitalen Bildung benötigt. Und digitale Bildung muss aus meiner Sicht auch alle mit einschließen - nicht nur die Schüler sondern auch die Lehrer und v.a. auch die Eltern.
Aber zumindest sollten wir diesen Ball jetzt aufnehmen und aus den jetzt zwangsweise gemachten Erfahrungen lernen und die nächsten Schritte danach anpacken.

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Ich stimme absolut zu was die Chancen angeht. Der Einwurf mit dem Twitter-Thread war gar nicht so negativ gemeint. Ich hab den einfach hier reingeworfen weil er in den Kontext passt und erzeugt wo es evtl. auch Probleme und Unklarheiten gibt.

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Bei uns läuft das daheim eher auf Spannung.

3 jährige reist uns die Bude ab und gleichzeitig müssen wir im Home Office unsere beiden 8 Stunden Jobs irgendwie schmeißen. Meine Frau hat zum Glück nur 3 mal die Woche.
Dazu kommt der Sohn 4. klasse der mit neuen Themen konfrontiert wird, die wir Nichtpädagogen eher wohl nicht so vermitteln können wie die Lehrerin das macht. Vielleicht auch weil man sich vor Mutter und Vater einfach störrischer Verhalten kann. Tränen und Geschrei sind da eher die Tagesordnung.
Da meine Frau und ich uns eigentlich von Mo bis Freitag irgendwie mit arbeiten abwechseln waren die beiden Wochenende so:
Samstag und Sonntag hab ich daher die ganze Zeit meine kleine auf Trapp gehalten während meine Frau die Schulaufgaben die wir Montags gesammelt für die ganze Woche vor der Schule abholen können mit meinem Sohn besprochen hat.
Den Lehrern der Grundschule Hütschenhausen ist es übrigens von der Rektorin verboten mit den Kindern zu kommunizieren.

Aber was Jammer ich. Meine Nachbarin hat ihre Kinder den ganzen Tag unbetreut zuhause, weil Homeoffice für sie und ihren Mann ausfällt und die Oma naja, geht halt net.

Ich denke wenn das länger geht, gibt es in so manchen Häusern „Zwischenfälle“. Die leider keiner mitbekommt.

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Das ist bei uns genauso. Ich habe schon mit dem Rektor telefoniert und nun kam zumindest mal das Thema Antonlin auf den Weg. Von anderen Schulen höre ich von Zoom und Google Classroom.

Da wir in Südtirol im Urlaub waren über Fasching sind wir schon ein paar Tage länger betroffen. Kein Lehrer hat sich mal bei unserer Tochter gemeldet. 30 Kinder / 12 Tage wären etwas über zwei Kinder je Tag mal anzurufen bei rund 10 Minuten blieben dann schon noch ein paar Stunden um andere Dinge zu machen.

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Wir leben in Hessen. Die Schule unserer 2 Kinder ist mit dem e-Learning heillos überfordert!

Ich habe für die Klasse meines älteren Kinds (5. Klasse) eine Slack Umgebung eingerichtet und den Lehrern in einer kurzen Telco eine Einweisung gegeben. Es gab große Akzeptanz!

Das läuft jetzt wunderbar und die Kinder und Lehrer kommunizieren fleissig, es wird Telefoniert und sogar 1:1 Videokonferenzen abgehalten. Aufgabe werden gepostet und Kinder könne das Erledigte direkt mit dem SmartPhone abfotografieren und wieder an die Lehrer schicken. Die Sorgen um nicht-vorhandene Hardware sind unbegründet - jeder hat ein SmartPhone in der Familie! Genauso hat jeder irgendwie Internetzugriff.

Bedenken zu DSGVO usw. gibts keine. Da müssen wir alle einfach pragmatisch sein!

Zoom.us würde ich allerdings definitiv nicht empfehlen! Die werden gerade wegen Datenlecks usw. untersucht!

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Unsere Kids und wir haben die Homeschoolingwochen unbeschadet überstanden :smiley:
Neben täglichen Aufgaben über Padlet und Moodle in allen Fächern gab es in Zoom neben wöchentlichen Klassenlehrerstunden auch einige Lehrer, die Unterricht gemacht haben. Und die Klassenlehrer haben zusätzlich 1:1 via Zoom angeboten.

Fazit nach drei Wochen: der digitale Unterricht hat als Notlösung gut funktioniert, kann aber den echten Unterricht und das soziale Miteinander der Kinder und den täglichen Umgang miteinander auf keinen Fall ersetzen.

Den Ausblick mit einem geplanten Schulstart ab dem 20.04. sehe ich persönlich zwar noch nicht, allerdings hat die Schulleitung bereits gesagt, dass es einen „Soft Launch“ geben wird, d.h. in den ersten zwei Wochen nach Schulbeginn wird es keine Leistungsmessungen wie z.B. Klassenarbeiten geben.

Insgesamt sind wir jetzt alle auch gut vorbereitet, wenn es zum nächsten Lockdown mit Schulschließung während der zweiten Welle kommen wird. :smile:

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Die Zeit hat einen Kommentar zum Thema „Honeschooling“ veröffentlicht, der die Sache aus meiner Sicht gut auf den Punkt bringt.

https://www.zeit.de/gesellschaft/schule/2020-04/homeschooling-lehrer-schule-bildung

In den ersten drei Wochen vor den Osterferien haben wir noch keinen gut organisierten Remote-Schulbetrieb erwartet. Es hätte schließlich sein können, dass der normale Schulbetrieb nach den Ferien wieder losgeht.

Jetzt wissen wir, dass wir uns auf X weitere Wochen einstellen müssen. Und da hätte ich schon erwartet, dass die Ministerien zusammen mit den Schulen inzwischen ein paar Leitlinien entwickelt haben.

Mir fehlt vor allen die Interaktion zwischen Lehrern und Schülern. In vielen Fällen ist das einen Einbahnstraße, da einfach am Anfang der Woche ein paar Aufgaben geschickt werden, die von den Schülern in Eigenverantwortung bearbeitet werden sollen. Von den Eltern wird erwartet, dass sie die Bearbeitung kontrollieren und bei Fragen unterstützen. Machen die Eltern das nicht, werden die Kinder zwangsläufig abgehängt und bekommen nach Wiederaufnahme des Schulbetriebs massive Probleme.

Das ist definitiv zu wenig. Ich erwarte, dass die Lehrer die Aufgaben wieder einsammeln und den Schülern Feedback geben. Zudem sollte Unterricht per Videokonferenz zumindest angeboten werden.

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Ich hänge das mal hier noch an, bin da gerade drüber gefallen.

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Im Augenblick ist unsere Regierung doch in „Spendierlaune“. Warum gibt es keine Anreize für Schüler und Lehrer bei der Anschaffung eines PCs oder anderer IT-Ausstattung? Das würde ganz nebenbei auch den großen Elektronikhändlern helfen.

Alternativ kann man sich auch mit einem Smartphone oder Tablett helfen. Der Austausch der Aufgaben sollte damit problemlos gehen. Und auch Videokonferenzen sind damit möglich.

Ich vermute, dass es nur sehr wenige Familien ohne Smartphone oder Tablet gibt. Unterm Strich kann das also kein KO-Kriterium für einen einigermaßen vernünftigen Heimunterricht sein.

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Krass wie unterschiedlich tatsächlich die Handhabung des Home Schooling ist!

An dem Schulen meiner Kinder müssen die Aufgaben an die Lehrkräfte rückübermittelt werden und es wird auch Video Conferencing über die Schul-Cloud angeboten. Anstelle der Eltern stehen die Lehrer als Ansprechpartner (wenn auch sicherlich nicht permanent) zur Verfügung. Die Eltern haben letztlich auch nicht den Lehrauftrag.

Fazit für mich: so wie ich es erwartet habe, auch wenn u.U. kleinere Stellschrauben noch gedreht werden müssen.

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Gerade an mir vorbei geflogen