Israels Ultraorthodoxe: Der Messias gegen Covid-19

Dies ist ein älterer Artikel von vor 10 Tagen, bekommt aber über die Planungen zum Exit aus dem Lockdown wieder Aktualität.

Nirgendwo in Israel gibt es derzeit so viele Corona-Fälle wie in den religiösen Stadtteilen. Mehr als 700 bestätigte Infektionen zählen die Behörden in Jerusalem, fast ebenso viele in Bnei Brak. Und nirgendwo hat das Virus so leichtes Spiel: Die Haredim leben in Großfamilien mit acht, zehn, manchmal zwölf Kindern. Weil sie ihr Leben oft ausschließlich der Religion verschrieben haben, sind die Familien arm und wohnen auf engstem Raum.

Kein Wunder, dass das Virus unter den Religiösen in Israel besonders grassiert. Mehr als die Hälfte aller Infektionen im Land gehen laut Medienberichten auf die Haredim zurück.

Dies zeigt traurigerweise über die „Kontrollgruppe“ der Haredim, dass die Abstandsregeln und Ausgangsbeschränkungen/-sperren das wirksamste Instrument ist, dass die Menschheit derzeit hat.

Die Religiösen erkennen die Autorität des Staates nicht an, selbst wenn sie Teil davon sind. Israels Gesundheitsminister Yaakov Litzman gehört beispielsweise einer strenggläubigen Partei an. Ende März gab Litzman eine Pressekonferenz und wurde von einem Reporter gefragt, ob die aktuelle Ausgangssperre vor dem 8. April aufgehoben werde: Dann beginnt in Israel das Pessach-Fest, ein wichtiger jüdischer Feiertag.

Litzmans Antwort: Man hoffe, dass der Messias vorher erscheine, um Israel zu erlösen. Seitdem fragt sich das ganze Land, ob es klug ist, das Gesundheitsministerium einem Mann zu überlassen, der sich bei der Bekämpfung von Covid-19 eher auf Gott verlässt als auf die Wissenschaft.

Gesundheitsminister Litzman wurde inzwischen sogar positiv auf das Virus getestet. Er soll sich israelischen Medienberichten zufolge bei einem jener Gottesdienste angesteckt haben, die sein Ministerium selbst verboten hatte.

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